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„Was war die Angelegenheit?“

Was war die Angelegenheit? Die Angelegenheit war die um ein Jahr verspätete Generalversammlung der TKG. Warum verspätet? Weil das Unerhörte nicht ausgesessen werden kann,

weil es nach einem Jahr um nichts besser geworden ist, dass ein renommierter Verein seinen Gründer und Sekretär von einem Tag auf den anderen feuert –

ohne seine Mitglieder vorher von „Zuständen“, Verfehlungen oder „Gefahr in Verzug“, wie es geheißen hätte, informiert zu haben. Und seine eben dort angestellte Frau gleich mit.

Ein Aufschrei ging durch die Reihen der Mitglieder, auch die Leserschaft des Organs der Gesellschaft war nicht rechtzeitig informiert worden. Alles Hab und Gut – ein regelrechtes Kapital, nein ihre Schatzkammer! – war nicht gesichtet, geschweige denn gütlich logisch getrennt worden. All das ist auf den Köpfen der Mitglieder und Interessierten, meinem Kopf!, niedergegangen. Es war buchstäblich Feuer auf dem Dach.

Die anschließende Verwirrung, nein, ganz unsentimental – die Schmerzen, waren Phänomene, nicht Phantome, sie haben mich und Meinesgleichen ordentlich erwischt.

Viele sind gleich ausgetreten, manche erst unlängst, als wieder um Geld gebeten wurde wegen des Umzugs. Viele sind nicht mehr eingetreten, die mit einem Beitritt liebäugelt hatten.

Mir sind von allen Sparten welche bekannt. Ich verstehe vor allem den Zorn – wegen vorgeführter Unprofessionalität, Unkollegialität, Realitätsverlust, Wertvergessenheit.

Ich hatte die TKG immer in allen relevanten Gremien gelobt, ja als vorbildhaft für Exilliteratur und Erinnerungsarbeit gepriesen!

Es ist vorüber. Was jetzt noch gut ist, sind Relikte aus der Zeit bis Frühjahr 2024. Wer jetzt noch gut bei der Sache ist, ist es für sich allein.

Das elektrisierend Geistreiche, der lebhafte Diskurs und immer fruchtbar sich erweisende Widerspruch zwischen den verschiedenen Seiten der wiederkehrenden Edition sind Geschichte.

Es war einmal eine Zwischenwelt des geistigen Exils, redliche Statthalter im Verlangen nach seiner Widereinbindung in das öffentliche Sich-Vergewissern, zentrifugal – zentripedal.

Deshalb halte ich mich an die Filmemacherin Ella Hochleitner aus Goldegg, die anlässlich ihres letzten Films „Trog“ sagte: „ Aufarbeiten kann man nur, wenn man alles weiß und alles sagt.“ Tun das die letzten Statthalter der Rest-TKG –  jetzt aufarbeiten? In ihrer Küche wird ja nicht mehr viel heiß gekocht, es gibt keine Gelage mehr, keine Wegzehrungen, kaum mehr Vorräte. Das Wohlgemute wird sich alles aufhören, weil Kontroversielles fehlt und auch die Zaungäste, wie ich eine war. Relikte gibt es, zähneknirschendes Durchhalten. Manche Bestände darin mögen sogar kostbar sein. Aber wärmen tun sie mich nicht mehr, aufbauen auch nicht, es gibt Instant-Gerichte.

Wie Eisblumen hängen Erinnerungen an den Fenstern. Die schmelzen rasch weg und tragen keine Früchte.

Wenn ich am 7. März 2025 bei der neuen TKG Einlass gefunden hätte – wozu ich ja selber aus psychologischen Gründen nicht fähig war – wie hätte ich mich verhalten?

Ich hätte von mir aus gar nichts gesagt. Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich versucht mich ähnlich einzubringen wie hier oben. Und dann –

hätte ich ein Gedicht von KK vorgelesen aus seinem eben erschienenen Gedichtband.

Mit freundlichem Gruß

Brigitte Menne, Wien, 10. 3. 2025

Published inAktuellesBriefe an die Redaktion
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